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Pakistan: Kultur- und Bildungspolitik

01.02.2019 - Artikel

Bildung

60 Prozent der gut 210 Mio. Pakistanis sind jünger als 30 Jahre. Nach Prognosen der Vereinten Nationen dürfte die Bevölkerung bis 2050 auf über 400 Mio. Menschen anwachsen.

Die Einschulungs- und Alphabetisierungsrate zählt zu den niedrigsten der Welt. Beim Bildungsstand liegt Pakistan laut UNESCO auf Platz 106 von 136 Ländern. Die Grundbildung ist chronisch unterfinanziert - nur ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts fließt in den Bildungssektor. Das Lehrpersonal ist teils unzureichend ausgebildet. Etwa 6,2 Millionen Kinder gehen laut UNESCO nicht zur Schule – der zweithöchste Wert weltweit. Lediglich rund 56 Prozent der Bevölkerung (Frauen: 43 Prozent) können lesen und schreiben.

Das schwache staatliche Schulwesen wird in weiten Teilen von privaten Anbietern unterschiedlicher Qualität ergänzt. Privatschulen wenden sich überwiegend an die Mittel- und Oberschicht, unterrichtet wird meist auf Englisch – die Schulen bieten häufig auch britische Abschlüsse an. Die Gebühren besserer Privatschulen sind für den Großteil der Bevölkerung unerschwinglich.

Weitgehend unreguliert und daher parallel zum regulären Schulwesen existiert ein breites Angebot an Religionsschulen. „Madrassen“ sind besonders für Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten attraktiv, da sie neben der kostenfreien Ausbildung meist Unterbringung und Verpflegung bieten. Überwiegend beschränkt sich der Madrassen-Unterricht jedoch auf religiöse Inhalte. Pakistan beabsichtigt seit längerem, für Madrassen verbindliche Lehrpläne einzuführen, die ein Minimum an Grundbildung vorschreiben. Viele Madrassen lehnen dies ab. Manche Madrassen (wie die „Rote Moschee“ in Islamabad) sind wegen ihrer Rolle bei der radikal-islamischen Indoktrinierung oder Rekrutierung von Extremisten aus den Reihen der Schüler umstritten.

Das Problem einer zu geringen Zahl von Bildungseinrichtungen, ungenügender Qualität der Lehrinhalte und ungleicher regionaler Verteilung betrifft auch die Berufsbildung.

Daher konzentriert sich der deutsche entwicklungspolitische Beitrag im Bildungssektor auf Bildungsplanung, Entwicklung von Lehrplänen und Schulbüchern sowie Lehrerfortbildung, um institutionellen Rahmenbedingungen und Bildungsqualität zu verbessern. Das deutsche Engagement zielt darauf ab, Kindern und Jugendlichen Zugang zu besseren Bildungsangeboten zu ermöglichen und sie besser auf das Berufsleben vorzubereiten. In Zusammenarbeit mit anderen Gebern (EU, Niederlande, Norwegen) startete ein umfangreiches Berufsbildungsprogramm, um staatliche Einrichtungen darin zu unterstützen, die Berufsbildung zu reformieren. 

Kultur und Religion

Pakistan verfügt über zahlreiche historische Bauten und Landschaften, von denen einige zum Weltkulturerbe zählen. Besonders die Bauten aus der Mogul-Zeit in Lahore haben eine große Bedeutung für das Selbstverständnis Pakistans als Land der Muslime Südasiens.

Religion spielt in der Bevölkerung und angesichts der Gründungsgeschichte auch im Selbstverständnis der Islamischen Republik Pakistan eine wichtige, aber auch ambivalente Rolle. Der Islam ist ideologisch das einigende Band des Landes, zugleich spiegeln ein Teil der Widersprüche und ideologischen Gegensätze die Gespaltenheit des Islam wider. Konservative religiöse Kräfte sind ein einflussreicher und wachsender Faktor innerhalb der Gesellschaft. Für Kulturschaffende erweist sich die Präsentation moderner Kulturprogramme oft als Gratwanderung zwischen künstlerischem Ausdruck und Rücksichtnahme auf traditionelle bzw. als traditionell geltende Wertvorstellungen. Vor allem in den Großstädten Karachi und Lahore gibt es aber durchaus ein ansehnliches Kulturangebot.

Etwa 96 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, v.a. Sunniten sowie geschätzt 15 bis 20 Prozent Schiiten. Daneben leben bis zu 1 Mio. Ahmadis im Land, die sich als Muslime verstehen, vom Staat aber per Gesetz seit den 1970ern zur nicht-islamischen Minderheit gezählt werden. Zudem leben in Pakistan geschätzt 2,8 Mio. Christen und über 3 Millionen Hindus. Vertreten sind auch Sikhs und Baha’i mit je  ca. 20.000 bis 30.000 Anhängern, Parsis (stammen von der altiranischen Religion des Zoroastrismus ab) mit etwa  4.000 Anhängern und einige Tausend Buddhisten.

Pakistans Verfassung garantiert zwar Religionsfreiheit, doch zahlreiche gesetzliche Bestimmungen diese ein (insbesondere das Blasphemie-Gesetz). So müssen Staatspräsident und Premierminister laut Verfassung muslimischen Glaubens sein. Jedes Regierungsmitglied einschließlich der Parlamentsvertreter ist verpflichtet, sich zu Mohammed als letztem Propheten zu bekennen. Der größte Druck auf religiöse Minderheiten geht jedoch nicht vom Staat aus, sondern von der Mehrheitsgesellschaft.

Islamische Religiosität auf dem Boden des heutigen Pakistans ist traditionell stark von mystischen Strömungen (Sufismus) geprägt. Der Schrein-Kult und die Verehrung sogenannter „Pirs“ sind landesweit verbreitet, vor allem aber in Punjab und Sindh, durch alle Bevölkerungsschichten unter Sunniten und Schiiten (und zum Teil auch unter Hindus und Christen). Diese Art der volkstümlichen Frömmigkeit wird allerdings von islamistischen und eher vom arabischen Wahhabismus geprägten Gruppen bedrängt und Schreine teils Ziel von Anschlägen mit islamistischem Hintergrund. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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