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Wirtschaft

15.08.2017 - Artikel

Stand: April 2018

Aktuelle Wirtschaftslage

Pakistans Wirtschaft hat ein hohes Wachstumspotenzial. Gründe: die günstige geographische Lage des Lands mit Brückenfunktion zwischen Zentral- und Südasien sowie zwischen China und dem Arabischen Meer, der Ressourcenreichtum, niedrige Lohnkosten, eine junge, wachsende Bevölkerung und eine wachsende Mittelschicht. Dieses Potenzial wird jedoch aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur, periodisch wiederkehrender politischer Instabilität und schwacher institutioneller Kapazitäten nicht ausgeschöpft. Als größte Wachstumshemmnisse gelten Korruption, ineffiziente Bürokratie, ein unsicheres regulatorisches Umfeld, unzureichende Energieversorgung und eine teils fragile Sicherheitslage.

Wichtige makroökonomische Kennzahlen der pakistanischen Volkswirtschaft verbesserten sich zwischen 2013 und 2016. Hinter dieser Stabilisierung standen eine Politik vorsichtiger wirtschaftlicher und fiskalischer Reformen sowie günstige weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen. Im September 2016 schloss Pakistan ein dreijähriges Unterstützungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) ab. Seither hat sich die makroökonomische Lage jedoch verschlechtert. Anlass zur Sorge geben insbesondere ausufernde Haushalts- und Leistungsbilanz-Defizite.

Pakistans Wirtschaft wächst derweil.2017 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um mehr als 5 Prozent.. Damit lag das Wachstum deutlich höher als in den Vorjahren (2011: 2,4 Prozent; 2012: 4,4 Prozent; 2013: 3,7 Prozent; 2014: 4,0 Prozent; 2015: 4,2 Prozent; 2016: 4,7 Prozent). Gleichzeitig bleibt das Wirtschaftswachstum aber hinter anderen rasch wachsenden Volkswirtschaften in Asien zurück.

Die Inflationsrate sank von 11 Prozent im Haushaltsjahr 2012/13 und 8,7 Prozent in 2013/14 auf 4,8 Prozent im 2014/15 - und erreichte ein Allzeittief von 2,9 Prozent 2015/16. Im Haushaltsjahr 2016/17 stieg die Inflationsrate auf 4,16 Prozent. Das Haushaltsdefizit von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr 2012/13 verringerte sich bis auf 4,6 Prozent 2015/16, stieg aber 2016/17 aber wieder - auf 5,8 Prozent. Die Staatsverschuldung Pakistans liegt bei rund 68,5 Prozent des BIP. Defizitäre Staatsbetriebe (u.a. Pakistan Railways, Pakistan International Airlines, Pakistan Steel) belasten die öffentlichen Finanzen und benötigen regelmäßig staatliche Finanzspritzen. Pakistan hat mit ca. 12 Prozent des BIP eine der niedrigsten Steuerquoten der Welt, konnte diese mit Steuerreformen in den vorigen Jahren jedoch von ca. 9 Prozent im Jahr 2013 leicht verbessern. Die Währungsreserven der Zentralbank sanken zuletzt unter 13  Mrd. US-Dollar.

Struktur der Wirtschaft

Der Dienstleistungssektor Pakistans ist mit einem Beitrag von etwa 59 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der wichtigste Sektor und Wachstumsfaktor der pakistanischen Volkswirtschaft. Wichtige Bereiche sind hier vor allem Bankwesen, Versicherungswesen, Transportwesen und der Kommunikationssektor, aber auch der überproportional große öffentliche Verwaltungsapparat.

Der Industriesektor trägt 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der bei weitem wichtigste Exportsektor ist die Textilbranche, die etwa 57 Prozent aller pakistanischen Exporterlöse ausmacht.

Trotz eines Beitrags von lediglich 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt spielt die Landwirtschaft immer noch eine wichtige Rolle in Pakistan. Etwa 42 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt; etwa 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt vom landwirtschaftlichen Sektor ab. Pakistans bevölkerungsreichste Provinz Punjab gehört in vielen Bereichen (unter anderem Getreideanbau und Viehzucht) zu den weltweit größten Produzenten und verfügt über das größte zusammenhängende landwirtschaftliche Bewässerungsgebiet weltweit.

Energiepolitik

Der pakistanische Energiesektor kann den steigenden Energiebedarf des Landes nicht decken- Das führt zu erheblichen Problemen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes. Pakistan verfügt aktuell über eine installierte Kapazität zur Stromerzeugung von über 30 Gigawatt (GW) – ein eher niedriger Wert gemessen an der Stromnachfrage im Land und im regionalen Vergleich. Den größten Anteil an der Stromversorgung haben mit mehr als 60 Prozent fossile Brennstoffe, gefolgt von Wasserkraft (30 Prozent). Vier Prozent des Stroms stammen aus Kernenergie oder Importen. Alternative Erneuerbare Energien (Wind, Solar, Biomasse) steuern ca. 2,5 Prozent bei. Pakistan leidet weiterhin an Stromknappheit. Jedoch ist es der Regierung gelungen, Stromausfälle erheblich zu reduzieren – von 12 bis 14 Stunden täglich 2013/14 auf aktuell unter vier Stunden in urbanen Zentren.

Die von der Regierung im Juli 2013 vorgestellte Nationale Energiepolitik benennt als erste Priorität die Schließung der Lücke zwischen Stromangebot und -nachfrage. Mit einer Modernisierung des Netzes sollen die Leitungsverluste von rund 30 Prozent verringert werden; ferner will Pakistan private Investoren aus dem In- und Ausland anlocken. Außerdem sollen Privatisierungen, institutionelle Reformen in Ministerien und Behörden sowie ein härteres Vorgehen gegen Stromdiebstahl den Energiesektor effizienter machen. Zudem soll der Energiemix zulasten des teuren Öls auf günstigere Energiequellen umgestellt werden - vor allem Kohle, importiertes Flüssigerdgas und Wasserkraft. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Energiemix soll sich in den kommenden Jahren deutlich steigern. Ferner wurden deutliche Preiserhöhungen für Strom angekündigt und bereits teilweise umgesetzt. Mit diesen Maßnahmen sollen die Stromknappheit beendet, die Energie-Erzeugung deutlich günstiger und die für dringend notwendige Investitionen erforderlichen finanziellen Mittel mobilisiert werden.

Die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit (Entwicklungszusammenarbeit) unterstützt die pakistanische Regierung in diesen Bemühungen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Pakistan.

Wirtschaftsklima

Das Wirtschafts- und Investitionsklima in Pakistan leidet unter mangelnder Investitionssicherheit, schlechter Regierungsführung und Korruption. Die Sicherheitslage hat sich in den vorigen Jahren verbessert. Auch bei der Bekämpfung der Energiekrise kann die Regierung Erfolge vorweisen. Die ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investement, FDI) stiegen im Haushaltsjahr 2016/17 um 4,6 Prozent auf 2,41 Milliarden US-Dollar. Im Korruptionsindex von Transparency International 2017 (gemessen wird die wahrgenommene Korruption) wird Pakistan unter 180 Ländern auf Rang 117 geführt. Im aktuellen „Global Competitiveness Report“ des Weltwirtschaftsforums zur Wettbewerbsfähigkeit der Staaten rangiert Pakistan unter 137 Ländern auf Rang 115 (2016/17: Rang 122 von 138). In der „Doing-Business“-Analyse der Weltbank, die die Unternehmensfreundlichkeit von Ländern untersucht, fiel Pakistan von Rang 144 im Jahr 2017 auf Rang 147 im Jahr 2018 , bei insgesamt 190 bewerteten Ländern.

Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt Pakistan angesichts des erklärtermaßen großen Interesses der Regierung an einer Ausweitung der außenwirtschaftlichen Beziehungen in den Bereichen Investitionen und Handel, des hohen Investitionsbedarfs in vielen Bereichen, insbesondere Energie (inkl. Erneuerbare Energien), Landwirtschaft, Infrastruktur und Hochtechnologie, sowie wegen der Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht ein interessanter Markt für ausländische Firmen. Zudem erhält Pakistan infolge seines Beitritts 2014 zum Allgemeinen Präferenzsystem (APS, engl.: GSP) der Europäischen Union Zoll-Erleichterungen für den EU-Markt.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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