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Pakistan: Wirtschaft

01.02.2019 - Artikel

Aktuelle Wirtschaftslage

Pakistans Wirtschaft hat Wachstumspotenzial. Gründe: die günstige geographische Lage des Lands mit Brückenfunktion zwischen Zentral- und Südasien sowie zwischen China und dem Arabischen Meer, der Ressourcenreichtum, niedrige Lohnkosten, eine junge Bevölkerung und eine wachsende Mittelschicht. Dieses Potenzial ist jedoch aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur, periodisch wiederkehrender makroökonomischer sowie politischer Instabilität und schwacher institutioneller Kapazitäten nicht ausgeschöpft. Als größte Wachstumshemmnisse gelten Korruption, ineffiziente Bürokratie, ein unsicheres regulatorisches Umfeld, relativ teure bzw. unzureichende Energieversorgung und eine teils fragile Sicherheitslage (trotz erheblicher Verbesserung der Sicherheitslage seit 2014).

Im September 2016 beendete Pakistan ein dreijähriges Unterstützungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF). Seither hat sich die makroökonomische Lage jedoch wieder stark verschlechtert. Daher beantragte Pakistan am 11. Oktober 2018 offiziell erneut ein Hilfsprogramm beim IWF. Summe und Details sind noch nicht ausgehandelt.

Pakistans Wirtschaft wuchs in den vorigen Jahren. 2017 und 2018 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um je mehr als 5 Prozent – und damit stärker als in den Vorjahren. Gleichzeitig bleibt das Wirtschaftswachstum aber hinter anderen rasch wachsenden Volkswirtschaften in Asien zurück. 2019 dürfte die Wirtschaft laut Prognosen von IWF und Weltbank wegen der oben beschriebenen Probleme langsamer zulegen – um unter 5 Prozent.

Die Staatsverschuldung Pakistans beträgt rund 73,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Verluste machende Staatsbetriebe (u.a. Pakistan Railways, Pakistan International Airlines, Pakistan Steel) belasten die öffentlichen Finanzen und benötigen regelmäßig staatliche Finanzspritzen. Pakistan hat mit ca. 12 Prozent des BIP zwar eine der niedrigsten Steuerquoten der Welt, verbesserte diese mit Steuerreformen in den vorigen Jahren jedoch von ca. 9 Prozent im Jahr 2013. 

Struktur der Wirtschaft

Der Dienstleistungssektor ist der wichtigste Sektor und Wachstumsfaktor: Er steuert etwa 59 Prozent zur Wirtschaftsleistung (BIP) bei. Wichtige Bereiche sind hier Banken und Versicherer, Transport und Kommunikation, aber auch der überproportional große öffentliche Verwaltungsapparat. Der Industriesektor trägt 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der bei weitem wichtigste Exportsektor ist die Textilbranche, die etwa 57 Prozent aller pakistanischen Exporterlöse ausmacht.

Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in Pakistan, obwohl sie lediglich 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert. Etwa 42 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Etwa 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt vom landwirtschaftlichen Sektor ab. Pakistans bevölkerungsreichste Provinz Punjab gehört in vielen Bereichen (unter anderem Getreideanbau und Viehzucht) zu den weltgrößten Produzenten und verfügt über das größte zusammenhängende landwirtschaftliche Bewässerungsgebiet weltweit. 

Energiepolitik

Nach Jahren mit eklatanter Stromknappheit hat sich die Energieversorgung verbessert. Kraftwerke wurden gebaut, der Öl-Anteil am Energiemix gesenkt. Den größten Anteil an der Stromversorgung haben nun mit mehr als 60 Prozent fossile Brennstoffe, gefolgt von Wasserkraft (30 Prozent). Vier Prozent des Stroms stammen aus Atomenergie oder Importen. Erneuerbare Energien (Wind, Solar, Biomasse) steuern ca. 2,5 Prozent zur Stromversorgung bei.

Geplante grundlegende Reformen im Energiesektor blieben aber bisher aus. Die seit August 2018 amtierende Regierung will den Fokus auf die Modernisierung des Stromnetzes und die Förderung von einheimischen Energiequellen lenken (Wasserkraft,  Erneuerbare Energien).

Die deutsche entwicklungspolitische Zusammenarbeit unterstützt die pakistanische Regierung in diesen Bemühungen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind dabei Schwerpunkte. 

Wirtschaftsklima

Das Wirtschafts- und Investitionsklima in Pakistan leidet unter mangelnder Investitionssicherheit, schlechter Regierungsführung und Korruption. Immerhin haben sich die Sicherheitslage und die Energieversorgung in den vorigen Jahren verbessert. Die ausländischen Direktinvestitionen steigen. Im Fiskaljahr 2017/18 (bis 30.6.) wuchsen sie im Jahresvergleich laut Regierungsangaben von 2,4 Milliarden US-Dollar auf 3,1 Milliarden US-Dollar.

Im Korruptionsindex von Transparency International (gemessen wird die wahrgenommene Korruption) belegt Pakistan unter 180 Ländern den 117. Rang. Im „Global Competitiveness Report“ des Weltwirtschaftsforums zur Wettbewerbsfähigkeit rangiert Pakistan auf dem 115. von 137 Plätzen. In der „Doing-Business“-Analyse der Weltbank, die die Unternehmensfreundlichkeit von Ländern untersucht, besetzt Pakistan Rang 147.

Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt Pakistan für ausländische Unternehmen interessant. Die Regierung will außenwirtschaftliche Beziehungen ausbauen. Zudem hat Pakistan einen hohen Investitionsbedarf, v.a. in den Branchen Energie, Landwirtschaft, Infrastruktur und Technologie. Die Mittelschicht wächst – und damit die Kaufkraft. Zudem erhält Pakistan infolge seines Beitritts 2014 zum Allgemeinen Präferenzsystem (APS, engl.: GSP) der Europäischen Union Zoll-Erleichterungen für den EU-Markt. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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